Weitere Artikel
Weiteres Fachwissen aus Ergotherapie und Psychologie – verständlich erklärt.

Ratgeber
Wie die psychisch-funktionelle Ergotherapie Menschen mit Depression oder anhaltender Erschöpfung hilft, Tagesstruktur und Handlungsfähigkeit wiederzuerlangen.

Fachartikel von
Anke Günther
Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt: Etwa jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens daran. Neben gedrückter Stimmung und Interessenverlust belasten häufig ganz praktische Einschränkungen den Alltag. Aufstehen, Einkaufen oder ein Telefonat erscheinen als kaum zu bewältigende Hürde. Hier setzt die psychisch-funktionelle Ergotherapie an.
Eine Depression ist eine medizinisch definierte Erkrankung mit festgelegten diagnostischen Kriterien. Burnout bezeichnet dagegen einen Zustand ausgeprägter Erschöpfung, der meist mit anhaltender beruflicher Überlastung in Verbindung gebracht wird, und ist keine eigenständige Diagnose. Die Übergänge sind jedoch fließend: Hinter einem anhaltenden Erschöpfungszustand verbirgt sich nicht selten eine depressive Episode oder eine Anpassungsstörung. Eine sorgfältige ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung schafft Klarheit.
Die Ergotherapie ergänzt ärztliche und psychotherapeutische Behandlung durch einen handlungsorientierten Zugang. Sie fragt nicht nur, was belastet, sondern vor allem, welche Tätigkeiten wieder gelingen sollen – und in welchen Schritten dies erreichbar ist.
Gemeinsam entwickeln wir einen realistischen Wochenplan, der Pflichten, Erholung und angenehme Aktivitäten ausgewogen verbindet. Regelmäßigkeit stabilisiert den Schlaf-wach-Rhythmus und schafft Orientierung.
Angenehme und sinnstiftende Tätigkeiten wirken der Abwärtsspirale aus Rückzug und Antriebslosigkeit entgegen. Entscheidend ist eine Dosierung, die Erfolgserlebnisse ermöglicht, ohne zu überfordern.
Handwerkliche und gestalterische Verfahren machen Fortschritte sichtbar. Wer erlebt, dass eine Aufgabe von Anfang bis Ende gelingt, gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück.
Gerade nach einer Erschöpfungsphase ist es wichtig, Warnsignale frühzeitig wahrzunehmen. Wir erarbeiten Strategien zur Pausengestaltung und zur schrittweisen Rückkehr in Beruf und soziale Rollen.
Psychisch-funktionelle Ergotherapie kann von Haus- und Fachärzt:innen sowie von Psychotherapeut:innen verordnet werden. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten; Erwachsene leisten die gesetzliche Zuzahlung von zehn Prozent zuzüglich zehn Euro je Verordnung. Ergänzend bieten wir an unserem Standort in Rotherbaum Psychotherapie und Hypnotherapie als Privatleistung an – ohne Wartezeit.
Halten gedrückte Stimmung, Interessenverlust oder Erschöpfung länger als zwei Wochen an, sollten Sie ärztlichen oder psychotherapeutischen Rat einholen. In akuten Krisen, insbesondere bei Gedanken, nicht mehr leben zu wollen, wenden Sie sich bitte umgehend an den Notruf 112, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111.

Über die Autorin
Anke Günther ist Ergotherapeutin, Diplom-Psychologin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Hypnosetherapeutin. Seit 1998 leitet sie das Gesundheitszentrum in Hamburg und verbindet ergotherapeutische und psychologische Expertise zu einer ganzheitlichen Behandlung.
Weiterlesen
Weiteres Fachwissen aus Ergotherapie und Psychologie – verständlich erklärt.
Unsere Standorte
Ergotherapie auf Rezept in Eimsbüttel, Privatleistungen in Rotherbaum – beide Standorte sind zentral gelegen und bequem mit der U-Bahn erreichbar.